Woher die Gezeiten-Daten kommen: BSH-Vorausberechnung und Vorhersage
Zuverlässige Gezeitenzeiten setzen eine amtliche, fachlich geprüfte Datenquelle voraus. Für die deutsche Küste ist das in erster Linie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, kurz BSH.
Das BSH als amtliche Quelle
Das BSH ist eine Bundesbehörde und unter anderem für die Gezeitenvorhersage entlang der deutschen Küsten zuständig. Es betreibt und wertet ein Netz von Pegelstationen aus, berechnet die astronomischen Gezeiten und veröffentlicht Wasserstandsvorhersagen. Diese Daten bilden die Grundlage für Schifffahrt, Küstenschutz und viele weitere Anwendungen, bei denen verlässliche Wasserstandsangaben gebraucht werden.
Vorausberechnung: rein astronomisch
Die Gezeitenvorausberechnung basiert ausschließlich auf den bekannten, exakt berechenbaren Bewegungen von Erde, Mond und Sonne. Weil diese Himmelsmechanik über sehr lange Zeiträume stabil und vorhersehbar ist, lässt sich die Vorausberechnung für einzelne Pegel schon Jahre im Voraus erstellen. Sie sagt aus, wann und wie hoch Hochwasser und Niedrigwasser unter rein astronomischen Bedingungen ausfallen würden – also ohne den Einfluss von Wind, Luftdruck oder anderen Wetterfaktoren.
Wasserstandsvorhersage: mit Wetter
Die Wasserstandsvorhersage geht einen Schritt weiter und bezieht aktuelle und kurzfristig vorhergesagte Wetterdaten mit ein, etwa Windrichtung, Windstärke und Luftdruck. Dadurch kann sie den tatsächlich zu erwartenden Wasserstand deutlich genauer abbilden als die reine astronomische Berechnung – allerdings nur für einen begrenzten Zeithorizont von wenigen Tagen, weil auch die zugrundeliegende Wettervorhersage nicht beliebig weit reicht. Wie stark Wetter den Wasserstand verändern kann, beschreibt der Beitrag Windstau.
Wie wasserstand.fun die Daten nutzt
wasserstand.fun ruft die Daten des BSH regelmäßig, mehrmals täglich, für die hinterlegten Pegel ab und zeigt sie in aufbereiteter Form an – etwa für Norderney oder Wyk auf Föhr. Dabei werden nach Möglichkeit sowohl die astronomische Vorausberechnung als auch die aktuellere Wasserstandsvorhersage samt der Abweichung zwischen beiden Werten dargestellt. So lässt sich erkennen, ob für eine kommende Tide ein normaler, rein astronomischer Verlauf zu erwarten ist oder ob das Wetter für eine spürbare Abweichung sorgt. Was die einzelnen Zentimeterwerte konkret bedeuten, erklärt der Beitrag Pegelstand richtig lesen.
Wozu die Abrufe mehrmals täglich dienen
Weil sich die kurzfristige Wasserstandsvorhersage mit jeder neuen Wetterlage ändern kann, reicht ein einmaliger Datenabruf pro Tag für die Praxis oft nicht aus. Durch die mehrfach tägliche Aktualisierung fließen neue Wetterinformationen zeitnah in die angezeigten Werte ein, sodass eine Planung, die am Vormittag erstellt wurde, am Nachmittag anhand aktuellerer Zahlen überprüft werden kann. Die reine astronomische Vorausberechnung ändert sich dabei naturgemäß nicht, wohl aber die begleitende Wetter-basierte Vorhersage und damit auch die angezeigte Abweichung.
Grenzen der Genauigkeit
Auch die beste Vorhersage bleibt eine Vorhersage. Kurzfristige Wetterumschwünge, lokale Effekte im Watt oder Messungenauigkeiten an einzelnen Pegeln können dazu führen, dass der tatsächliche Wasserstand von den angezeigten Werten abweicht. Je weiter ein Termin in der Zukunft liegt, desto mehr nähert sich die angezeigte Vorhersage der reinen astronomischen Berechnung an, weil belastbare Wetterdaten für den fernen Zeitraum noch fehlen.
Ein privater Dienst ohne amtlichen Charakter
wasserstand.fun ist ein privat betriebener Dienst, der amtliche BSH-Daten in einer für die tägliche Arbeit praktischen Form aufbereitet. Der Dienst ersetzt keine amtliche Warnung und hat keinen behördlichen Status. Für sicherheitsrelevante Entscheidungen, insbesondere bei Sturmflutlagen, sind stets die offiziellen Stellen wie das BSH oder die zuständigen Sturmflutwarndienste maßgeblich.